Polemik, das Kryptonit der Wertschätzung

PolemikWird in Ihrem Arbeitsumfeld auch sehr viel polemisiert? Dann leidet sicher auch die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern darunter. Polemik versucht den „Gegner“ in der Diskussion zu überführen und greift notfalls auch seine Integrität, Glaubwürdigkeit und Reputation an. Somit hängt Polemik wie ein Anhänger aus Kryptonit um den Hals der Wertschätzung Ihres Unternehmens.

Beispiele

Zunächst ein paar Beispiele die jeder sicher schon mal so oder so ähnlich gehört hat:

  • Anstatt die Kisten (Computer) von A nach B zu tragen (IT Projekt) wäre es ja wohl mal an der Zeit die echten Probleme zu lösen.
  • Ich begreife nicht warum wir nicht einfach mal anfangen miteinander zu reden.
  • Anstatt immer die 120% Lösung anzustreben sollten wir uns mal um die dringenden Dinge kümmern.
  • Derjenige der das entschieden hat, den sollten sie glatt noch mal her holen damit er für seine Entscheidungen ausgepeitscht werden kann.

Die Polemik sucht weniger den Konsens als mehr den Sieg über den Gegner. Anstatt sich an den Tisch zu setzen, zieht sie lieber die Boxhandschuhe an. Da ist es nicht verwunderlich auch in der Politik öfter auf Polemik zu treffen. Das Wort Polemik stammt vom griechischen Wort polemos und bedeutet übersetzt Krieg oder Streit.

Von der neurologischen Führung habe ich gelernt, das beispielsweise eine Verhaltensänderung nicht auferlegt werden kann. Auch nicht, wenn ich sie mit Polemik in die Belegschaft prügeln möchte. Der Mensch wird über kurz oder lang immer wieder in sein altes Muster zurückkehren. Die Einsicht aus ihm selber entstehen. Polemik hingegen lässt gar keine sachliche Argumentation, keine kreative Lösungsfindung zu. Somit kann es auch keine Einsicht geben. Mehr noch, Polemik hemmt die Kreativität des Unternehmens und führt bei den Mitarbeitern zu Frust und Resignation und somit zu Fluktuation. Fluktuation wiederum führt zu Wissensverlust und entzieht dem Unternehmen die Basis der Erfahrung.

Natürlich dramatisiere ich die Verwendung von Polemik hier ein wenig auch, wenn die obigen Beispiele aus der realen Welt stammen. Wenn die direkten Kollegen polemisieren, ist das auch weit weniger schlimm als wenn der Argumentationshammer vom Vorgesetzten geschwungen wird.

Die Frage ist nun, möchten Sie in einem Arbeitsumfeld arbeiten, in dem bei fehlendem Konsens Ihre Glaubwürdigkeit und Reputation in Frage gestellt wird? Möchten Sie in einem Arbeitsumfeld arbeiten und Veränderungen herbeiführen, wenn Diskussion mit Krieg oder Kampf gleichsetzt wird?

Zusammenfassung

Aber wie gehen wir nun mit Polemik um? Mein Vorschlag, wir sperren sie weg! Das Problem daran: Jeder nutzt sie und auch manchmal unbewusst. Ein Weglassen von Polemik erfordert also verstärkte Selbstkontrolle und ständige Reflexion. Daher ist es vielleicht eine gute Idee Spielregeln aufzustellen und diese durch die Gruppe selbstständig überwachen zu lassen. Grade im Changemanagement ist das besonders wichtig. Themen welche also mit der gewünschten Verhaltensänderung in Relation stehen, sollten  gänzlich frei von Polemik sein. Wird doch Polemik verwendet, darf das angeführte Argument nicht gelten und muss erneut vorgetragen werden. Gleichzeitig wird damit eine Gesprächskultur im Unternehmen geprägt.

Polemik kann von jedem Teammitglied gut identifiziert und von einer Moderation abgefangen werden. Natürlich funktioniert diese Regelung nur in Unternehmen in denen die Arbeitskultur sowieso entsprechend offen und kommunikativ ist.

Ein Unternehmen welches also seinen Mitarbeitern, Kunden und Dienstleistern das Maximum an Wertschätzung entgegen bringen möchte, sollte ganz bewusst auf die Art und Weise der eigenen Kommunikation achten und diese ständig bei seinen Mitarbeitern schulen und hinterfragen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.