Der Feelgood Manager – Ein Modell für Großunternehmen?

In 5 Minuten täglich, zu mehr ErfolgDer Feelgood Manager liegt aktuell im Trend. In den anerkannten Stellenbörsen wie Stepstone oder Monster.de findet man ihn allerdings bisher selten.

Schaut man sich die Firmen an, in denen es sogenannte Feelgood Manager gibt, fällt auf, dass es sehr Technologie zentrierte und kleine bis mittlere Unternehmen sind. Das heißt, es geht meist um den kreativen Umgang mit dem Internet, Programmierung und Medien bei relativ wenig Mitarbeitern. Es ist keine Firma dabei, welche beispielsweise Stahlrohre biegt oder Kartonagen produziert und mehr als 1.000 Mitarbeiter hat. Außerdem gibt es unter den Unternehmen nur ganz wenige Aktiengesellschaften und noch weniger bis null die vielleicht beabsichtigen eine Dividende zu zahlen. Ist der Feelgood Manager also ein Modell welches auf die gesamte Wirtschaft angewendet werden kann? Brauchen große Unternehmen also nur Feelgood Manager einstellen und starten damit in eine glanzvolle Zukunft voller zufriedener Mitarbeiter?

Was macht ein Feelgood Manager? Zu den Aufgaben gehört es beispielsweise Events durchzuführen innerhalb und außerhalb der Arbeit. Das können Sommerfeste, Offsight Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern oder Spieleabende sein. Außerdem stehen Arbeitsbedingungen und Arbeitskultur im Vordergrund. Dabei kann es um die Räumlichkeiten eines Büros gehen oder regelmässige Zeiten zu denen sich die Mitarbeiter zum Mittagessen treffen. Der Feelgood Manager steht in ständiger Kommunikation mit den Mitarbeitern und ist auf direktes Feedback angewiesen. Durch eine entspannte Arbeitsatmosphäre versucht er kreatives Potenzial zu heben, um so ungezwungen neue Ideen und Produkte entstehen zu lassen. Von manchen wird er auch als „Bespaßer“ bezeichnet.

Also, warum stellen Großunternehmen nicht einfach pro Fachbereich einen Feelgood Manager ein? Damit wären doch eigentlich alle Probleme gelöst, oder? Kommen wir zu den Voraussetzungen.

Die oberste Voraussetzung für ein solches Projekt ist, dass die Führungskräfte zu 100% dahinter stehen. Besonders in großen Konzernen gibt es davon sehr viele und allen voran die Geschäftsführer und Vorstände. Diese sind aber meist sehr fokussiert auf Zahlen. Das ist größte Stolperstein. Das Umdenken hat hier noch nicht begonnen. Das Ergebnis eines Feelgood Managements kann nur schlecht gemessen werden. Die einzigen Maßeinheiten sind Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden. Allerdings müßten diese Werte erstmal vernünftig erhoben werden.

Eine weitere Voraussetzung für Feelgood Management ist ein Grundwissen über interkulturelle Beziehungen und Kommunikation, psychologisches Wissen zur Förderung und Entwicklung. Das sollte eigentlich in den Personalabteilungen vorhanden sein. Aber auch hier ist die Rolle des Personalwesens von Konzern zu Konzern unterschiedlich. Während man vielleicht bei der Lufthansa tatsächlich über transformationale Führung spricht und für einen Feelgoog-Manager offen wäre, schafft ein anderer Konzern seine Personalentwicklung aufgrund fehlender Kennzahlen komplett ab. Die Personalabteilung verkommt damit zur Sachbearbeitung von Arbeitsverträgen, Austellung von Zeugnissen und ähnlichen Dingen.

Zwei gute Gründe für Personalwesen

Eine weitere Voraussetzung sind flache Hierarchien. Nur in flachen Hierarchen kann ein Feelgood Manager wirklich agieren. Sobald es in einer Abteilung Teamleiter, Fachbereichsleiter, Abteilungsleister, Leiter etc. gibt, wird es für den Manager immer zu viele Hürden geben. Die Crux, besonders große Unternehmen sind per Definition nur schwer in der Lage ihre Hierarchien zu verflachen. Irgendwer soll die ganzen Mitarbeiter  ja führen.

Die letzte Voraussetzung ist die Bereitschaft für hohe Investitionen in die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Ein Schreibtisch welcher höhenverstellbar ist, kostet die Firma gute 1.000 EUR. Designer Einrichtung für ein Büro samt Innenaussatter kosten ca. 10.000 bis 50.000 EUR. In Relation zur Kennzahlenarmut im Feelgood Management, gibt es für diese Ausgaben somit keine Begründung. Verschärft wird dies noch wenn der Konzern an der Börse gelistet ist, Shareholder hat und eine Dividende zahlen möchte. Solche Ausgaben würden bei jeder Hauptversammlung ein Streitpunkt sein.

Somit folgt, meiner Meinung nach, wird es das Feelgood Management in dieser Form in Zukunft in Großunternehmen nicht geben. Aber grade in solchen Organisationen wäre es wichtig einzuführen. Immerhin sind hier die meisten Menschen angestellt und somit auch die meisten Menschen unzufrieden. Was es aber durchaus geben könnte, sind Personalabteilungen welche wieder mehr Relevanz erhalten und in ihren Entscheidungen unabhängiger werden. Dazu sollten sie allerdings unterhalb der Organisationsentwicklung aufgehängt werden und der einzige Bereich sein welcher sich nicht unmittelbar über Kennzahlen legitimieren muss.

Zusammenfassung

Welche Eigenschaften muss ein Konzern erfüllen um Feelgood Management zu ermöglichen:

  • Topmanagement muss 100% davon überzeugt sein
  • Flache Hierachien
  • Kennzahlen dürfen keine Rolle spielen
  • Keine Aktiengesellschaft
  • Hohe Kosten müssen in Kauf genommen werden

Fazit

Feelgood Manager sind ein Trend, welchen es vielleicht bei Startups und KMUs gibt, welcher aber nicht 1zu1 auf große Konzerne angewendet werden kann. Dafür sitzen im Topmanagement noch zu wenige Vertreter der Generation Y, die den Wandel der Arbeit vorantreiben möchten. Dafür sind KPIs noch zu relevant. Außerdem sind wirtschaftliche Interessen von Shareholdern ernste Hindernisse für entsprechende Ausgaben. Das bedeutet, wer nicht grade relativ jung ist, Programmierer oder Medienspezialist ist, Anhänger eines MiNT-Berufes und in einem kleinen bis mittelständischen Unternehmen arbeitet, wird so schnell keinen Feelgood Manager zu Gesicht bekommen. Aber, auch in diesen Unternehmen kann es den Wandel geben. Dazu müßen die Personalbereiche wieder mehr Handlungsspielräume bekommen und von Kennzahlen weitgehend unabhängig sein.

Eine Frage für ein Bewerbungsinterview in einem großen Konzern könnte also sein: An welche KPIs ist ihr HR-Bereich gekoppelt?

2 Kommentare
    • Stefan Müller
      Stefan Müller sagte:

      Hallo Frau Kraus-Wildegger,

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und das Sie den Weg in meinen Blog gefunden haben. Die Diskussion über das Thema Feedgood-Manager finde ich sehr interessant und ich freue mich auf weitere spannende Inhalte und Beiträge.

      Beste Grüße
      Stefan Müller

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