Benefits

Unternehmen in der IT Branche übertrumpfen sich heutzutage mit Benefits, die in anderen Berufen ihresgleichen suchen. Zum Beispiel frisches Obst, verschiedenste Softdrinks sowie die beinahe schon obligatorischen Kaffee- und Tee Spezialitäten jederzeit auf Abruf. Aber wie wichtig sind diese Benefits? Entscheiden Mitarbeiter tatsächlich auf Basis dieser Vergünstigungen, ob es ihnen im Unternehmen gefällt und verlassen Sie das Unternehmen, wenn mal der Trauben und Bananen Nachschub eingestellt wird? Und auf der anderen Seite, was müssen Unternehmen bei Benefits beachten?

Vielfalt

Zunächst ist Benefit nicht gleich Benefit. Da gibt es eine ganze Fülle von Möglichkeiten, wie ein Unternehmen seinen Mitarbeitern das Arbeiten versüßen kann. Vom Wäsche-Service über den Butler-Service bis hin zum Maßschneider auf Abruf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zum Beispiel die tägliche Vitaminzufuhr über frisches Obst. Zur Weihnachtszeit Osterhasen und an Ostern Weihnachtsmänner oder besser umgekehrt. Kaffee- und Teespezialitäten jederzeit auf Knopfdruck heiß und lecker sind heutzutage in vielen Betrieben nicht wegzudenken. Genauso wie eine betriebliche Altersvorsorge und ein Eltern/Kind Arbeitsplatz (falls mal die KITA ausfällt).

Manches sehr substantiell, anderes eher vorsorgend, weniges wirklich notwendig für die Arbeit. Darüber hinaus gibt es noch Prämien, Boni und sogar ganze Partys für abgeschlossene Aufgaben, Projekte oder Ziele. Office Mitarbeiter, welche sich an wirklich jedes Jubiläum, jeden Geburtstag und Hochzeitstag erinnern, sind einfach unbezahlbar. Es soll sogar Unternehmen geben, die eine durchgängig geöffnete Schnaps Bar ihr Eigen nennen.

Letztendlich geht es bei all diesen Services und Benefits, um entweder das Einsparen von Zeit- und Geld auf Seite der Mitarbeiter oder aber Prestige und Werbung auf der Seite des Unternehmens. Damit werden schließlich auch neue potenzielle Mitarbeiter angelockt. Der Mitarbeiter hingegen kann vielleicht eine halbe Stunde länger am Platz bleiben, weil er eben nicht noch einmal einkaufen muss.

Unternehmen, welche noch nicht so bekannt sind am Arbeitsmarkt, profitieren von einer Vielzahl an verschiedenen Benefits. Ein Job-Ticket, Parkplatz vor der Haustür und Kantinen Zuschlag sind zwar ebenso wichtig, marketingtechnisch aber nur noch schwer in Szene zu setzen. Außerdem ist natürlich auch der Job an sich eine Art Benefit. Beispielsweise wenn mit ihm ständige Weiterentwicklung und Entfaltung verbunden ist oder ein besonders gutes Betriebsklima. Von der Flexibilisierung der Arbeitszeiten möchte ich dabei gar nicht anfangen.

Wirkungsgrad

Die Benefits lassen sich außerdem abhängig von ihrem Wirkungsgrad in drei Kategorien einteilen. Kurz-, mittel- und langfristig. Eine betriebliche Altersvorsorge wirkt eher langfristig. Das betriebliche Weiterbildungsprogramm dagegen bereits mittelfristig sowie Getränke und Ost eher kurzfristig. Eines haben allerdings alle Benefits gemeinsam. Mitarbeiter gewöhnen sich an sie. Irgendwann ist es nicht mehr ungewöhnlich einen eigenen kleinen Adventskalender zu bekommen oder auf einen unerschöpflichen Vorrat von Spekulatius und Mandarinen in der Vorweihnachtszeit zurückgreifen zu können.

Da verwundert fast niemanden mehr der frische Latte Macchiato im Glas. Unternehmen sind also gezwungen immer neue, andere Benefits zu schaffen, um der internen Gewöhnung entgegenzuwirken. Aber wie lange funktioniert das? Wie lange ist das wirtschaftlich?

Transaktionale Beziehung

Benefits ergänzen die Arbeit um Vorteile, die es neben der transaktionalen Beziehung von Arbeit und monetärer Entlohnung zusätzlich erstrebenswert machen, besonders seiner Arbeit motiviert nachzugehen. Das funktioniert meist aber nur bedingt, weil die Benefits zur Umgebung gehören und diese wiederum als gegeben akzeptiert wird. Somit verpufft der erhoffte Effekt einfach nach einer Weile. Andersherum können Benefits aber nicht einfach entfernt werden, weil ihr Fehlen sofort bemerkt würde. Verluste wirken sich bekanntlich stärker aus, als Zugewinne.

Fazit

Vielleicht ist es ein Weg die Mitarbeiter selber über die Benefits im Unternehmen bestimmen zu lassen und das jedes Jahr.  Womöglich sogar mit einem konkreten Budget, welches dafür bereitgestellt wird. So kann am Ende niemand sagen, die geleisteten Vergünstigungen würden für ihn persönlich keine Rolle spielen, denn schließlich hat man sich dafür bzw. nicht dagegen entschieden. Damit werden die geleisteten Benefits auch übersichtlich dargestellt und transparent gemacht. Jeder Mitarbeiter weiß also ganz klar, was er zu erwarten hat und was zur Auswahl stand.

Wenn etwas zur Selbstverständlichkeit wird und nicht qualifiziert wird, bleibt nur der Weg in die Quantifizierung. Und wo ist da Schluss? Pro Mitarbeiter ein eigener Shuttle Service? Eine Putzfrau die zu Hause bei den Mitarbeitern stellvertretend aufräumt? Sekt oder Selters? Porsche oder doch lieber Ferrari?

Somit sind Benefits vielleicht gerade in der IT-Branche ein wichtiger Faktor, um von der Mitarbeiterperspektive aus neben dem Gehalt den größtmöglichen Gewinn aus dem eigenen Invest zu ziehen. Für Unternehmen hingegen sind sie notwendig, um sich am Arbeitsmarkt zu positionieren und dem Unternehmen ein stückweit auch Prestige und Status zu verleihen. Eine Unternehmenskultur ohne Benefits ist aber denkbarer als Benefits ohne Unternehmenskultur. Die Seele eines Unternehmens steckt nicht in Schokoladenweihnachtsmännern sondern in seinen Mitarbeitern und denen kann man schon mal etwas gönnen.

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!