Unsere Welt ist komplex. Komplexer als es manchmal sogar den Anschein macht. Da tut es gut, wenn man über die Dinge stolpert die wirklich (wirklich!) einfach sind. Eine sehr einfache Sache ist die Unterscheidung von zwei grundsätzlich verschiedenen Menschenbildern. Das der “ECONS” und das der “HUMANS”. Wie weitreichend diese Unterscheidung im täglichen Leben ist, möchte ich im nachfolgenden Artikel zeigen. Wenn man diese Unterscheidung nicht beachtet, kommt es zur sogenannten verrückten Management (Auch gaga Management genannt).

Verrückt ist, wer immer wieder das Gleiche tut und ein anderes Ergebnis erwartet.James Robbins

Das passiert allerdings all zu leicht, wenn man die Menschenbilder “ECONS” und “HUMANS” nicht beachtet und miteinander verwechselt. Das Phänomen begegnet mir regelmässig im operativen Tagesgeschäft und verursacht dann weitreichende Störungen im Betrieb und ist Killer ihrer Effektivität. Das muss nicht sein. Alles was notwendig ist, ist sich im vorhinein auf das vorherrschende Menschenbild zu verständigen, welches Mitarbeiter von Führungskräften und andersherum haben.

Definiton

Das erste Mal las ich von diesem Konzept im Buch von Daniel Kahnemann (“Schnelles denken, langsames denken“) und auch Thaler und Sunstein führen es in ihrem Buch (“Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt“) an. Es ist ein relativ einfaches Konzept, erklärt aber auf einen Schlag viele Probleme des täglichen Lebens. Außerdem geht es für mich in die gleiche Richtung, in die Rosenberg zielt (“Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation).

Was ist ein ECON?

Ein ECON ist so etwas wie eine menschliche Maschine. Ein Mensch der völlig frei von Beeinflussung und Verzerrungen ohne Emotion eine Situation beurteilt, alle Informationen sammelt, auswertet und dann eine fundierte Entscheidung trifft.  Einen solchen Menschen kann man nur schwer täuschen. Außerdem kann man sich sehr sicher sein, dass dieser die Dinge die er tut mit Vorsatz verfolgt.

Was ist ein HUMAN?

Ein Human hingegen ist eben all dies nicht. Seine Entscheidungen sind beeinflussbar und unterliegen den verschiedensten Verzerrungen und Effekten. Der Mensch trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus ohne alle Informationen und ohne sorgsam Vor- und Nachteile abgewogen zu haben. Das macht ihn anfällig für Fehlentscheidungen und leider auch Täuschung. Nicht also jedes Verhalten,jede Aussenwirkung, ist tatsächlich auch gewollt.

Diese beiden Typen stecken in jedem von uns. Jeder ist ein ECON als auch ein HUMAN. Man könnte fast meinen Engelchen und Teufelchen auf der Schulter. Beim Einkaufen kümmern wir uns um die Aufstockung unserer Vorräte, doch wenn es um die Altersvorsorge geht, lehnen wir uns entspannt zurück. Wir versuchen uns gesünder zu ernähren, kommen aber von den Zigaretten nicht weg. Widersprüche bestimmen unser tägliches Handeln. Im betrieblichen Kontext ist das nicht anders. Unabhängig von der bekleideten Rolle, ist unser Verhalten von diesen beiden Menschenbildern geprägt. Die Frage ist nur, ob man das weiß und darüber reflektieren kann.

Beispiele

Im betrieblichen Kontext gibt es dafür ebenfalls eine Reihe von Beispielen:

  • Wenn für die Mitarbeiter eine Leistung erbracht wird, diese damit aber nicht zufrieden sind und sich Führungskräfte davon demotivieren lassen (“Wozu bemühe ich mich überhaupt?”).
  • Wenn das Verhalten einer Führungskraft zu Verstimmungen bei einem Mitarbeiter führt, weil er glaubt der Vorgesetzte verhalte sich mit Absicht so (“Das macht er doch mit Absicht. Will er mich ärgern?”).
  • Wenn das Unternehmen Informationsasymetiren zu seinen Gunsten nutzt, um in der Argumentation mit Mitarbeitern einen Vorteil zu haben.  (“Hätte ich das gewußt, hätte ich anders gehandelt und dem nicht zugestimmt!”).

Fazit

Das einfachste ist es also, schlicht eine Entscheidung zu treffen, welches Menschenbild im Unternehmen vorherrschen soll und sich anschließend bei Entscheidungen daran zu orientieren. Das kann beispielsweise mittels eines “Code of Conduct” passieren oder einer anderen Form von Werte Besprechung. Das verhindert Reibungen, Stress und Ärger und ist somit von sich aus bereits ein Mittel zur Steigerung der Effizienz. Effizienz deswegen, weil es damit gelingt mehr Zeit in die wirklich wichtigen Dinge zu lenken, statt sich auf Nebenkriegsschauplätzen zu verausgaben.

Weiter folgt aus dieser grundsätzlichen Entscheidung noch viel mehr. Zum Beispiel Transparenz, um alle Mitarbeiter gleichsam zu informieren. Oder auch eine stärkere Fehlertoleranz, welche zu mehr Innovation führt. Das heißt die Festlegung auf ein vorherrschendes Menschenbild alleine genügt bereits um positive Energien freizusetzen. Das kann zunächst ECON als auch HUMAN sein. Bei längerer Betrachtung sollte aber natürlich klar werden, dass wir am Ende alle nicht perfekt sind und deshalb ein ökonomisch denkender, hochrationaler und operationaler Mensch als Bild nicht den Tatsachen entspricht.

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!