Intrapreneurship – Mitarbeiter als Unternehmer im Unternehmen

Kennen Sie Tony Fadell, oder Tetsuya Mizoguchi? Nein? Ich bislang auch nicht, obwohl diese Herrschaften leuchtende Vorbilder für das sogenannte Intrapreneurship sind. Tony Fadell entwickelte 1999 den Vorläufer des Ipods mit zugehöriger Online-Shop Anbindung. Nachdem allerdings die zweite Finanzierungsrunde seiner Firma scheiterte, ging Fadell zu Apple und entwickelte dort als Intrapreneur sein Produkt (Ipod + Itunes) weiter.

Tetsuya Mizoguchi hingegen gilt als Urvater des Laptops. Ihm war klar, dass Computertechnik wesentlich kleiner und portabler werden musste. Selbst nach zwei Vetos der Unternehmensführung, lief sein Projekt weiter und wurde nach 24 Monaten doch endlich akzeptiert.

Das sind Beispiele für den Begriff des Intrapreneurship, welcher auf Gifford Pinchot, einen amerikanischen Entrepreneur und Gründer der Pinchot University sowie seine Frau zurückgeht. Von Pinchot sollen zudem die Gebote für Intraprenuere stammen, welche sehr leistungsorientiert formuliert sind.

  1. Build your team, intrapreneuring is not a solo activity.
  2. Share credit widely.
  3. Ask for advice before you ask for resources.
  4. Underpromise and overdeliver — publicity triggers the corporate immune system.
  5. Do any job needed to make your dream work, regardless of your job description.
  6. Remember it is easier to ask for forgiveness than for permission.
  7. Keep the best interests of the company and its customers in mind, especially when you have to bend the rules or circumvent the bureaucracy.
  8. Come to work each day willing to be fired.
  9. Be true to your goals, but be realistic about how to achieve them.
  10. Honor and educate your sponsors.
Inrapreneur Conference

Vorteile

Grade in den MINT Berufen herrscht Knappheit an Fachkräften (z.B. Java-Entwickler) und Innovation. Unternehmen sind darauf angewiesen das unternehmerische Potenzial ihrer Mitarbeiter zu fördern. Sie sollten Räume schaffen, in denen Mitarbeiter ihr kreatives Potenzial entfalten können. Diese Innovation Labs sind auch den agilen Methoden zugeordnet. Gleichzeitig nimmt damit auch der Steuerungsaufwand für Führungskräfte ab. Das spart wiederum Kosten und erhöht  die Mitarbeiterzufriedenheit. Konzerne wie Siemens oder Fresenius haben die Notwendigkeit für diese Art von Mitarbeiter erkannt und werben auf ihrer Karriere Webseite aktiv um den „Unternehmer im Unternehmen“.

Bei allem was wir tun, steht das Wohlergehen der Patienten im Vordergrund. Gleichzeitig ist uns auch wichtig, dass Sie sich bei uns wohlfühlen. Durch unsere Unternehmenskultur für „Unternehmer im Unternehmen“ bieten wir Ihnen mehr Freiräume, mehr Verantwortung und mehr Chancen, innovatives Denken und unternehmerisches Handeln unter Beweis zu stellen. Im Gegenzug bringen Sie jede Menge Professionalität und wertvolle Erfahrung auf Ihrem Arbeitsgebiet mit.Fresenius Karriere Webseite

Nachteile

Doch zu meiner Enttäuschung, ist auch Intrapreneurship nicht der heilige Gral der Unternehmensführung. Bereits in einem Artikel von 2002 beschreibt die FAZ den Unternehmer im Unternehmen als kritisches Konstrukt, welches zu Lasten des Arbeitnehmers gehen kann aber ohne ihm die Vorteile eines echten Selbstständigen oder Freelancers zu bieten.

Negative Aspekte wie mangelnde Autonomie, soziale Entgrenzung und stärkere Tendenzen zur Selbstausbeutung bilden ein starkes Gegengewicht zur paradox steigenden Arbeitszufriedenheit durch mehr Selbstverantwortung.

Hier genau liegt die Crux. Arbeitgeber sollten sich ihrer Verantwortung für Ihre Mitarbeiter bewußt sein und ein natürliches Interesse an der Erhaltung ihrer Arbeitskraft haben. Auch wenn es sich um Intrapreneure handelt, die im hohen Maße selbstgesteuert und -wirksam handeln. Grade diese Mitarbeiter benötigen Anleitung und Schutz. Intrapreneure schultern eben grade nicht die Verantwortung für den weltweiten Absatz von Produkt XY. In der Beziehung von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe elementar. Daraus resultieren Rechte und Pflichten für beide Seiten sowie grundlegende Hygienefaktoren.

Intrapreneurship Hygienefaktoren

  1. Im Unternehmen sind die meisten Informationen frei verfügbar oder werden transparent kommuniziert. Nur so ist es für Intrapreneure möglich an der Entwicklung des Unternehmens zu partizipieren und individuelle Projekte voranzutreiben.
  2. Im Unternehmen gibt es Freiräume (Raum/Zeit) um an seinen Ideen arbeiten zu können. Zum Beispiel in speziellen Projekträumen oder während einer Projektwoche. Der Mix aus Projekt- und Tagesgeschäft ist fest definiert.
  3. Intrapreneure werden von der Geschäftsleitung aktiv identifziert und erfahren Unterstützung durch Mentoring, Coaching und Weiterbildung.
  4. Neue Vorschläge und Innovationen werden eingehend von der Geschäftsleitung geprüft und ggf. eine Ablehnung stichhaltig begründet. In einem demokratischeren Umfeld, wird die Entscheidung von der restlichen Belegschaft getroffen.
  5. Nicht jeder Mitarbeiter muss auch Intrapreneur sein. Der Geschäftsleitung ist bewußt, dass vielfältige Charaktere im Umfeld wünschenswert sind und nicht jeder ein Gründer sein muss.
  6. Intrapreneurship wird von der Geschäftsleitung als ein internes Risikoinvestment betrachtet, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt rechnen kann aber nicht muss.

Fazit

Ich persönlich verstehe mich als Intrapreneur. Mir gefällt der Gedanke gegenüber internen und externen Kunden wie ein Dienstleister aufzutreten und selbstständig für Innovation zu sorgen, Prozesse zu optimieren und Projekte voranzutreiben. Mir ist dabei natürlich bewußt, dass ich in gewisser Art mich selber betrüge. Deswegen ist Intrapreneurship auch nicht viel mehr als eine innere Einstellung. Aber ganz wichtig ist, nicht jeder Mitarbeiter muss genauso eingestellt sein. Ganz im Gegenteil. Stattdessen sind Unternehmen auf die unterschiedlichsten Charaktere angewiesen. Intrapreneurship ist darüber hinaus nur eine weitere Spielart agiler Unternehmen und keinesfalls die Antwort auf alle Probleme im Arbeitsumfeld. Richtig dosiert allerdings, trägt es zu einer höheren Mitarbeiterbindung und Arbeitszufriedenheit bei und ist damit die ideale Ergänzung zur Transformationalen Führung.