Digitalisierung

Im örtlichen Buchladen wurde ich neulich Zeuge einer Mini-Makerfair für Kinder. Der Wortwitz dahinter wurde mir erst später klar. Kurz zum Verständnis, eine Makerfair ist eine Messe auf der sich begeisterte Tüftler und Bastler treffen, um mit neuen Technologien eigene Dinge herzustellen. In der Mitte der Etage standen 3D-Drucker und kleine Roboter Teststrecken.  Die Dame mit Blumengestecken daneben machte allerdings einen eher verlorenen Eindruck.

Es wurden sogar Flyer über Doodle Pens und 3D-Drucker für das heimische Kinderzimmer verteilt. Eine neue Megaindustrie auf dem Weg nach oben! Auch, wenn die verteilende Hostesse an der Rolltreppe nach unten stand. Lange sind die Zeiten her, in denen Kinder in der Schule für die Eltern einen Aschenbecher töpfern (auch wenn diese gar nicht rauchten). Heute sollen diese Dinge offensichtlich, bestehend aus geschmolzenem Plastik aus einer eckigen Kiste kommen. Stellen Sie sich die Möglichkeiten vor! Plastische Chirugie für Barbies und Action Figuren direkt vor Ort!

Interessiert ging ich umher und schaute mir die Erzeugnisse dieser neuen Technik an. Am auffälligsten war eine Maschine, die eine Eisenkugel von links nach rechts rollen ließ (Wahnsinn!). Ich fand allerdings nichts, was für mich persönlich irgendwie nützlich gewesen wäre. Ich habe bereits Schlüsselanhänger, Serviettenringe und Trillerpfeifen in meinem Besitz. Natürlich ist es möglich mit diesen Geräten auch ganze Maschinen zu bauen, die wiederum zum Beispiel Teile für neue Maschinen fertigen können (Unabhängig davon, dass mir der Gedanke an selbstreproduzierende Maschinen unheimlich ist). Dafür bedarf es jedoch schon größeres technisches Know-How, zum Beispiel erworben über ein entsprechendes Studium.

Hier genau liegt der Hund begraben. Natürlich sind kleine 3D-Drucker, herumrasende Robotor und der neueste technische Schnickschnack nur Kinderspielzeug. Sie sollen die Technik erlebbar machen. Genau wie bei Smartphones ist das Ganze aber nicht wirklich auf Kreativiät ausgerichtet, sondern Konsum. Konsum auch deswegen, weil heute große Unternehmen den Fortschritt bestimmen. Gewinnmaximierung führt zu Kostenreduktion mit gleichzeitiger Umsatzsteigerung. Die Folge ist eine Marketingmaschine, die dem Endverbraucher unendliche Möglichkeiten vorspielt. Was am Ende davon übrig bleibt ist aber nicht viel mehr als öder Konsum.

Das was uns Technologie Unternehmen über ihre Software anbieten, ist nur die Spitze des Eisbergs und von Natur aus sehr begrenzt. Schließlich soll damit Geld verdient werden. Genau das ist der springende Punkt. Das ist gefährlich, weil sie damit in der Lage sind direkt und indirekt auf die Entwicklung der nächsten Generationen Einfluss zu nehmen und diese voll auf den Verbrauch von Medien zu zentrieren. Glauben Sie nicht? Was konnten Sie mit Ihrem Smartphone anfangen als die Datenflaterate mal nicht wollte?

Fazit

Möchte man die Grenzen der digitalen Welt wirklich ausloten, führt kein Weg am Handwerkszeug vorbei. Ganz zu oberst liegt im Werkzeugkasten die Bildung. Das kann eine entsprechende Ausbildung oder ein Studium sein. Zuätzlich kann sich auch ein angehender Zimmermann heute eigentlich nicht mehr vor dem Erlernen einer Programmiersprache und elementarer elektrotechnischer Fertigkeiten drücken. Erst dann ist man in der Lage mit seiner eigenen Kreativität über alle Grenzen hinweg wirklich etwas neues zu kreieren und die Möglichkeiten der heutigen Zeit voll auszuleben.

Nur so ist die Digitalisierung nicht am Ende gleichbedeutend mit einer virtuellen Einkaufstüte für große Konzerne.

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!