Mobile Recruiting

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt an der Kasse. Als Sie, nach ewigem Warten, dann an der Reihe sind, erhalten Sie einen 20% Rabatt mit dem freundlichen Hinweis, dass in der Geschäftsstelle noch ein neuer Marktleiter gesucht wird. Was ist da passiert? Glückwunsch, Sie haben grade mittels Mobile Recruiting eine Jobofferte erhalten!

Die Anzahl mobiler Endgeräte weltweit steigt stetig an. Laut Statista soll die Anzahl der Personen weltweit, die das Internet über ihr mobiles Endgerät nutzen im Jahr 2017 bis auf 2,97 Mrd. Menschen steigen. Bis 2019 prognostiziert das statistische Bundesamt zusätzlich bis zu 1,9 Mrd. verkaufter Smartphones und 269 Mio. Tablets weltweit. SAP zählt sogar mehr Handys als Zahnbürsten auf der Welt. Vielleicht ist auch das der Grund warum neuerdings Zahnbürsten Bluetooth haben, aber ich schweife ab. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Unternehmen und Branchen diese riesige Menge von meist jungen Individuen als Zielgruppe für ihren Nachwuchs identifizieren. Wenn Unternehmen sich dieser Zielgruppe versuchen anzunähren, nennt sich das Mobile Recruiting. Definiert wird der Begriff mit jeglicher Personalbeschaffungsaktivität, welche sich auf diese Endgeräte bezieht.

Mobile Recruiting ungleich VR Recruiting

Mobile Recruiting  ist in aller Munde und bleibt doch noch stark hinter seinen Möglichkeiten. Das Optimieren einer Karriere-Webseite für mobile Nutzung ist eher mit gutem Webdesign gleichzusetzen als mit dem aktiven Ansprechen von potenziellen Arbeitskräften. Wird eine Karriere-Webseite plötzlich für virtuelle Realität optimiert, nennt sich das schließlich auch nicht VR-Recruiting. Zudem verwischt die Grenze zwischen Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone immer mehr. Bereits in meiner Ausbildung lernte ich, dass ein Smartphone letztendlich alle Komponenten eines vollwertigen Computers enthält. Unterscheidet letztendlich nur der Schreibtisch das Smartphone vom Desktop?

Aber sei es drum! Ich habe mich gefragt, wohin uns dieser Trend womöglich noch führen könnte.

Das Smartphone ersetzt den Lebenslauf

Bereits jetzt geben unsere Smartphones mehr Informationen über uns preis als uns das vielleicht lieb ist. Nicht umsonst verdienen Google und Facebook viel Geld damit. Das Tablet oder Smartphone wird dabei zu einer Visitenkarte, welche wir immer mit uns herumtragen. Für mich klingt das nach einer perfekten Ausgangssituation, um mich gegenüber potenziellen Arbeitgebern passiv zu präsentieren.

Warum also nicht diese Informationen um meinen Lebenslauf ergänzen? Trage ich meinen Lebenslauf immer strahlend in meiner Tasche, sollte ich doch auch darauf angesprochen werden können. Warum also nicht die Menschen dort rekrutieren, wo sie mit den Produkten der Unternehmen in Kontakt kommen?

Beispiele

Der Schuhverkäufer

Mike arbeitet als Verkäufer in einem großen Schuhgeschäft. Auf seinem Smartphone hat er eine neue APP installiert. Mit dieser hält er in groben Zügen seinen Lebenslauf fest. Außerdem definiert er Parameter für zukünftige Wunscharbeitgeber.

In der Kölner Ladenstadt kommt er an einem neuen Schuhgeschäft vorbei. Mike`s Telefon beginnt zu vibrieren und meldet eine Übereinstimmung. Das Geschäft, welches  er grade passiert hat, sucht noch Verkäufer und bietet genau die Parameter, die für Mike wichtig sind.

Auf dem Display braucht er nun nur noch dem Matching zuzustimmen. Seinem anonymen Lebenslauf wird dann eine Telefonnummer/E-Mail-Adresse hinzugefügt. Wenige Augenblicke später hat er eine Einladung zum Gespräch vom Geschäftsleiter im Postfach.

Die Produktdesignerin

Tina ist passionierte Designerin. Bisher hat sie sich auf Verpackungen spezialisiert, liebäugelt aber mit einer Karriere in der Modeschmuck Industrie. Erste Entwürfe ihres Schmucks kommen bei Freunden und Verwandten auf Instagram und Facebook sehr gut an. Auf ihrem Smartphone hat Sie in der APP Ihren persönlichen Werdegang grob festgehalten und diesen mit Arbeitsproben auf Instagram verlinkt.

Tina ist nun unterwegs in einer angesagten Boutique und schaut sich den Schmuck in einer der Vitrinen an. An einer der Vitrinen befindet sich eine Bluetooth Sender und Empfänger. Dieser Sender reagiert auf Tina`s mobilen Lebenslauf und stellt eine Übereinstimmug fest. Was Tina bisher nicht weiß, zufälligerweise sucht der Produzent des Schmucks in der Vitrine noch eine neue Schmuckdesignerin. Das Unternehmen bietet wenige Tage später Tina das Matching an. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ist ihr gewiss.

Der Marktleiter

Eine große Supermarktkette sucht in Düsseldorf einen neuen Marktleiter. Die Stelle ist aber noch nicht offiziell ausgeschrieben.

Ralf hat bereits mehrere Jahre in den verschiedensten Positionen und Supermärkten gearbeitet. Er hat schon alles gemacht, angefangen vom Einsortieren der Waren, bis zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter und Führen der Buchhaltung. In einer APP hat er seinen Lebenslauf festgehalten und sucht nun nach dem nächsten Karriereschritt. Ralf zieht eine bestimmte Supermarktkette ganz klar anderen Unternehmen vor. Sein Einkaufsverhalten spiegelt das ganz deutlich.

Das Unternehmen registriert über Bluetooth den Besuch von Ralf und vielen anderen Kunden, die ihre APP aktiviert haben. Eines Tages erhält er an der Kasse einen 20% Rabatt auf seinen Einkauf. Verwundert schaut er auf sein Telefon und erblickt ein Matching. Sobald er diese bestätigt, wird sein anonymes Profil identifizierbar gemacht und Ralf ist um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch reicher.

Zusammenfassung

Diese Beispiele zeigen, welches Potenzial in dem Trend des sogenannten `Mobile Recruiting` steckt. Zwar ging es hier hauptsächlich um Unternehmen des Handels allerdings sind auch andere Bereiche denkbar. Vielleicht ein Krankenhaus, welches unter seinen Patienten und Besuchern neue Bewerber identifiziert.

Natürlich ist die Herausgabe von persönlichen Informationen ein sensibles Thema, kann aber bis zum Zeitpunkt eines Kontaktes durchaus anonymisiert werden. Schließlich sollten Alter, Herkunft und Geschlecht sowieso keine Rolle spielen.

In der Werbung werden diese Dinge bereits aktiv eingesetzt. Die Firma Ströer hatte dazu Ende 2014 einen großen Test am Düsseldorfer HBF. Beteiligte Unternehmen konnten mittels Beacon Technologie Werbekampangen an interessierte Anwender ausliefern. Selbst für Endnutzer ist die Technologie verfügbar.

Mobile Recruiting bietet für die Zukunft somit genügend Potenzial für Unternehmen gezielt an potenzielle Arbeitskräfte heranzutreten und sich nicht nur auf der eigenen Karriere-Webseite auszuruhen. Das Internet macht uns erreichbarer und wandelt somit die Stationen des Alltags in Touchpoints um. Am Ende des Tages ist die Technik bereits da, der Rest hingegen hängt von der eigenen Kreativität ab.

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!