6 Regeln für das Arbeitsumfeld von Morgen und was Facebook, Google und Co vergessen

Menschen sind keine Steine. Ich glaube da sind wir uns einig. Was diese Aussage allerdings für die Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes bedeutet, dass lesen Sie in diesem Beitrag! Neulich schauten meine Frau und ich den Dokumentarfilm „Alphabet“, welchen ich jedem wirklich sehr ans Herz legen kann. Am Ende des Films gab es folgendes Beispiel: Das Death Valley ist der heißeste Ort in den USA. Vielmehr als Büsche und Steine scheint sich hier nicht zu finden. Dort wächst kaum etwas, weil es einfach nicht regnet. 2004 regnete es dann doch und zwar viel. 2005 fanden sich im Death Valley plötzlich Frühlingsblumen. Das Death Valley war kein toter Ort wie bislang angenommen. Nein, es existierten nur nicht die richtigen Bedingungen für diese Blumenpracht.

Die richtigen Bedingungen. Das ist das Stichwort. Welche Bedingungen braucht der Mensch um sein Potenzial voll abzurufen, um bei der Arbeit glücklich zu sein? Das Büro als Lebensraum rückt damit in den Fokus. Unternehmen auf der ganzen Welt sind auf der Suche nach der perfekten Bürogestaltung, um Voraussetzungen für Innovation zu schaffen. Ob offen und modern oder verwinkelt und zugestellt, Beispiele gibt es viele:

Interessanterweise sind es grade die Technologie Firmen, welche sich mit dem Design ihrer Räumlichkeiten besonders Mühe geben. Man würde gerne glauben, dass sie das aus Nächstenliebe tun. Doch nein, es geht viel mehr darum junge Menschen anzuziehen und aus Ihnen maximal Innovation herauszuholen. Es geht dabei um Wachstum und nicht um Vielfalt oder eine artgerechte Haltung der Ressource Mensch. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, welche Regeln für den Lebensraum von Schreibtischtätern gelten und was Technologie Riesen wie Facebook, Google und Co dabei vergessen.

Regel Nr. 1 – Bewegung & Freiheit

Menschen sind keine Steine! Deshalb sind sie auch immer in Bewegung. Gestalten Sie das Arbeitsumfeld also so, dass es die Bewegung Ihrer Mitarbeiter unterstützt. Ob jemand seine Arbeit im Stehen, Sitzen oder herumlaufend erledigt, sollte egal aber machbar sein.

Regel Nr. 2 – Transparenz & Kommunikation

Menschen sind keine Steine! Deswegen ist Ihnen auch nicht egal was um sie herum passiert. Das bedeutet für Ihre Bürogestaltung:

  1. Setzen Sie auf Transparenz. Ganz besonders, sollten die Führungskräfte eigene Büros haben. Nichts erweckt soviel Neugier oder Argwohn wie ein uneinsehbares Büro hinter dessen Wänden womöglich grade hoch Spannendes passiert. Je transparenter die Umgebung ist, desto eingebundener fühlen sich die Mitarbeiter. Natürlich sollte es dennoch auch Rückzugsmöglichkeiten geben, um sich nicht permanent unter Beobachtung zu fühlen.
  2. Ein Traumbüro nutzt alle Kommunikationsmittel, damit Mitarbeiter nicht notwendigerweise neben einem Telefon sitzen müssen. Ein WLAN für den Domainenzugriff, der Instantmessenger und die IP Telefonie geben Ihren Mitarbeitern zusätzlich Bewegungsfreiheit.

Regel Nr. 3 – Rückzug & Gemeinschaft

Menschen sind keine Steine! Darum sollten Sie darauf achten, dass sich der Mitarbeiter seine Arbeitsumgebung nach Aufgabe und Stimmung anpassen kann. Braucht er eher Ruhe und Isolierung um ein kniffliges Problem zu lösen, sollte das Büro dies bieten. Genauso umgekehrt, wenn ihm eher nach Gemeinschaft ist oder er einen größeren Input benötigt.

Regel Nr. 4 – Verrücktheit & Spaß

Menschen sind keine Steine! Aus diesem Grund sind sie auch nicht gegenüber äußeren Reizen immun. Die Arbeitsumgebung muss unerwartet und verrückt sein. Das regt die Kreativität an. Warum nicht eine lebende Wand aus Moos, in der Ecke ein Tippi, ein Urwald Büro oder ein Tunnelraum mit Lava-Lampe? Verrücktheit sichert Begeisterung und die wiederum Inspiration und Kreativität. Sie dürfen es natürlich auch nicht übertreiben. Eine gewisse Ernsthaftigkeit sollte trotzdem spürbar bleiben. Schließlich ist man nicht im Small-Land einer schwedischen Möbelkette.

Regel Nr. 5 – Förderung & Vision

Menschen sind keine Steine! Daher sind sie auch nicht gänzlich unanfällig für Witterung. Sorgen Sie dafür, dass die Atmosphäre im Büro eine bestimmte Beschaffenheit aufweißt. Sie sollte fördernd und visionär sein. Es geht einerseits um die Schaffung eines Lernumfeldes für die verschiedensten Lerntypen und andererseits für Versorgung mit Inspiration. Hat ihr Büro eine kleine Bibliothek mit Fachliteratur? Warum nicht in ein paar Vitrinen Andenken aus der Firmengeschichte sammeln? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens wird so für alle Mitarbeiter transparent zusammengeführt.

Regel Nr. 6 – Liebe & Wertschätzung

Menschen sind keine Steine. Denn Steine leben nicht in sozialen Verbindungen. Selbst wenn ihr Büro alle vorherigen Regeln erfüllt oder nicht erfüllt, braucht es letztendlich doch nur diese einzige Regel. Eine familiäre Atmosphäre kann man nicht durch Design erzeugen. Vielmehr ist es das liebevoll geschmückte Büro an Weihnachten. Bilder an den Wänden von Teamevents, Gruppenfotos von Mitarbeitern, Erinnerungen an Erfolg und Misserfolg. Es sind die guten Geister, die sich an Geburtstage, Jubiläen und erfolgreiche Projekte erinnern und diese auch feiern. Es ist einen herzlicher Gruß hier, Bitte, Danke, „Wie geht’s dir“ und „Schön, dass du da bist!“ dort. Wertschätzung und die viel beschworene Kommunikation auf Augenhöhe, die aus einem Ort der Angst, einen Ort der Liebe macht.

Fazit

Ich hoffe zwei Dinge transportiert haben zu können:

  1. Menschen sind tatsächlich keine Steine (Bis auf Papa, der war ein „Rolling Stone“).
  2. Das perfekte Arbeitsumfeld ist wiederkehrenden Regeln unterworfen.
  3. Alle diese Regeln sind nutzlos ohne die wichtigste Regel. Das Arbeitsumfeld muss von Wertschätzung und Liebe geprägt sein.

Ohne Regel 6 und die so wichtige familiäre Atmosphäre, wird auch die schickste Einrichtung den Mitarbeitern irgendwann leer und gefühllos vorkommen. Das löst die Frage aus, ist es überhaupt notwendig einen 6-Stelligen Betrag in die Innenausstattung eines Büros zu investieren? Muss ein Büro so aussehen um Innovation hervorzubringen? Sicher spricht dies die jungen Mitarbeiter an und grade um diese und ihre Ideen geht es ja vielleicht. Doch ist vor allem die Kultur entscheidend. Kultur drückt sich nicht in Form von Stoff, Holz und Design aus. Kultur ist der Leim, der unsere Gesellschaft zusammenhält und die Bedigung für Vielfalt und damit Innovation schafft. Ein Unternehmen welches keine wertschätzende Kultur hat, wird auch mit Designer Möbeln diese nicht reproduzieren können. Das Unternehmen hingegen, dass über ansatzweise beides verfügt, hat meiner Meinung nach, ein kaum bemessbares Potenzial für Erfolg. Auch wenn dieser Erfolg aufgrund des fehlenden Konkurrenzdenkens gar nicht mehr so wichtig scheint.