Agiles Coaching

Wie werden Unternehmen agiler? Auf diese Frage habe ich bereits versucht mit Transformationalen Führung und der agilen Reifegradmessung Antworten zu finden. Aber eigentlich liegt es auf der Hand zunächst die Menschen zu fragen, deren Hauptaufgabe es ist agiles Know-How zu transportieren. Für mich sind sie der wichtigste Treiber des agilen Wandels und kämpfen sozusagen an der vordersten Front. Deshalb habe ich mir vier agile Coaches gesucht und sie in dieser Expertenrunde befragt.

In dieser Expertenrunde geht es um agiles Coaching. Wer kann hier mehr beisteuern als eben agile Coaches. Ich freue mich deshalb sehr über interessante Einblicke von Richard Maaßen (EnBW AG), Christian Stiller (Ligatus GmbH), Sebastian Radics (idealo internet GbmH) sowie Björn Schneider (Hypoport AG).

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KITP.de: Welchen Einfluss, glauben Sie hat agiles Coaching in der ganzheitlichen Transformation eines Unternehmens?

Antwort von Richard Maaßen (EnBW AG)
Ich bin überzeugt davon, dass agiles Coaching bei der Unternehmenstransformation unabdingbar ist. Am Ende des Tages geht es darum, dass die Menschen in der Organisation ihr Verhalten ändern. Häufig ist das Verhalten aber in einer grundlegenden Einstellung begründet. Diese zu verändern kann nur aufwändig und langsam in Eigenregie und durch Buchlektüre erfolgen. Für Tools wie ein Taskboard mag das noch geeignet sein, um eine agile Geisteshaltung zu entwickeln, ist aber Erleben notwendig. Und hier idealerweise begleitetes, reflektiertes Erleben. Ein Coach kann hier sowohl einen sicheren Rahmen bieten, um agiles Vorgehen und Denken zu erleben, als auch das Erlebte nachher mit dem Team zu reflektieren, um so nach und nach die Agilisierung im Kopf zu unterstützen.
Antwort von Christian Stiller (Ligatus GmbH)
Wenn ein Unternehmen schlanker (lean) und beweglicher/anpassungsfähiger (agil) werden will ist agiles Coaching ein wichtiger Einfluss- und Erfolgsfaktor. Dies nicht nur in einzelnen Bereichen, wie dem IT-Bereich, sondern vor allem ganzheitlich. Ich will agiles Coaching an dieser Stelle auch nicht überbewerten und als Erfolgsgarant bezeichnen.
Ein Unternehmen kann durchaus von selbst die Schritte durch eine agile Transformation gehen. Ich denke aber, dass dies weitaus schwieriger und zeitaufwändiger verläuft. Auch schätze ich die Erfolgsquoten schlechter ein als mit einem Coaching. Das wichtigste bei beiden Vorgehensweise ist aber auf jeden Fall, dass der wirkliche Wille mit dem richtigen Hintergedanken für eine Veränderung da ist und man nicht nur einfach einem Trend folgt oder nur gewissen Unternehmensbereiche “produktiver” machen will um kurzfristige Erfolge beizuführen.
Ich denke man kann dies gut mit einem Personal Training vergleichen. Wenn ich beispielsweise stark übergewichtig bin und schlanker, gesünder und beweglicher werden will bzw. muss, kann ich dies natürlich auch durch Eigenmotivation oder Druck von außen erreichen. Ich kann dann vielleicht viel über Ernährung und Sport lesen bevor ich mein Ziel angehe. Die Erfolgsquoten langfristig schlank und beweglich zu sein ist mit einem persönlichen Coach jedoch meiner Meinung nach wesentlich höher. Durch die Erfahrung des Coaches mit unterschiedlichen Übungen, Tipps, Methoden, Motivationstechniken usw. und die individuelle Anpassung des Coachings an die entsprechenden Bedürfnisse und Ausgangssituation des Gecoachten kann hier schneller und langfristiger eine Veränderung herbeigeführt werden. Zudem brauche ich mich als Gecoachter nicht ständig selbst zu motivieren. Dies übernimmt zumindest am Anfang hauptsächlich der Coach, der auch das ganze, vollständige Ziel im Auge behält.
Das Risiko in alte und somit auch schlechte Verhaltensweisen zurückzufallen ist also ohne einen Coach, der die Veränderung zum Besseren ständig begleitet, wesentlich höher.
Antwort von Sebastian Radics (idealo internet GbmH)
Ich denke agiles Coaching hat bei der ganzheitlichen Transformation eines Unternehmens einen wesentlichen Einfluss. Für die Perspektive Agilität braucht es Expertenwissen und Erfahrung auf den Gebieten Lean, agile Praktiken und Frameworks (Scrum, XP, Kanban) und Change-Management. Als agiler Coach verbinde ich Erfahrung auf diesen Gebieten mit methodischen Wissen zur Durchführung von Veränderungen (z.B. Moderations und Kommunikationstechniken). Ohne Begleitung von agilen Coaches werden entscheidende Fragen nicht gestellt und wichtige Faktoren übersehen. Es ist die Aufgabe von agilen Coaches auch unangenehme Aspekte von Transformationen aufzuzeigen und bei der Lösungsfindung zu begleiten. Mit Begleitung von agilen Coaches wird die Transformation schneller. Einfache Fehler auf Grund von fehlendem Methodenwissen können vermieden werden.
Antwort von Björn Schneider (Hypoport AG)
Das Agile Coaching hat einen zentralen Einfluss, wenn es darum geht, Agilität über die Grenzen der IT hinaus im Unternehmen einzuführen. Es geht dabei mehr um ein Mindset-Thema, als ein Problem agile Methoden blind anzuwenden. Oft werden Scrum, Kanban & Co. ohne das entsprechene Mindset nur “gespielt”. Interessant und damit ernst wird es erst, wenn es gelingt, die gesamte Führungspyramide zum Umdenken zu bekommen.

KITP.de: Welche Hindernisse und Widerstände begegnen Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit?

Antwort von Richard Maaßen (EnBW AG)
Meine tägliche Arbeit hat das Ziel das Handeln der Organisation und damit des Einzelnen im agilen Sinne zu verändern. Da dies bei uns aber nicht von oben verordnet wird, müssen die Kollegen die Notwendigkeit dafür selber erkennen. Im Einzelgespräch lässt sich zwar fast jeder von der Richtigkeit und Wichtigkeit agiler Ideen überzeugen: das dann allerdings nur oberflächlich und wenig nachhaltig. Um eine bleibende Veränderung im Denken hervorzurufen sind aber viele Gespräche mehr und idealerweise auch eigenes Erleben notwendig. Dieses Denken muss sich dann aber auch noch in konkretem Handeln auswirken – dafür sind hohe Einsatzbereitschaft und eine gute Portion Mut gefragt. Es ist also einiges an Arbeit mit dem Einzelnen notwendig um dort hinzukommen.
Die häufigsten Hindernisse hierbei ergeben sich schlichtweg aus der Komplexität unseres Konzerns. Wir haben eine größtenteils funktional getrennte Aufbauorganisation. Das behindert gleich auf zwei Arten und Weisen. Zum einen sind an jedem Vorhaben gleich mehrere Dutzend Mitarbeiter beschäftigt, die als Stakeholder natürlich alle überzeugt werden müssen – genau wie mal mindestens die nächste jeweils dazugehörige Führungskraft. Zum anderen befinden sich viele Mitarbeiter durch die Arbeit in mehreren Vorhaben in einem konstanten Anspannungsverhältnis, dass von sich aus wenig Raum für Muße und Weiterbildung bietet. Oder um es kurz zu sagen: Man muss sehr viele Leute überzeugen, die alle keine Zeit haben.
Antwort von Christian Stiller (Ligatus GmbH)
Das Zurückfallen in alte Verhaltensmuster und Denkweisen, wie bei vorherigen Frage erwähnt, ist ein großes Hinderniss. Verhaltensmuster und Routinen zu ändern ist eine große Herausforderung bei der täglichen Arbeit als Coach, die viel Überzeugung und Beständigkeit erfordert. Dabei spielen natürlich auch Gefühle wie z.B. Angst, Misstrauen usw. aller Beteiligten des Veränderungprozesses eine große Rolle auf die individuell eingegangen werden muss und die ein Coach zunächst einmal erkennen sollte.
Widerstände sind auch vor allem in Managementebenen zu finden, obwohl hier oft der Weg zu einer agilen Transformation beschlossen wird, was etwas paradox klingt. Viele die sich für eine agile Arbeitsweise im Unternehmen entscheiden, ist nicht bewusst, dass sich ganzheitlich etwas ändern muss wie z.B. die Kultur, Managementmethoden, Personalführung, Zusammenarbeit mit dem Kunden und so weiter und so fort. Dies blockiert dann natürlich den Fortschritt.
Als Coach, ob extern oder intern, ist man Anfangs oft auch in der Hierarchie gefangen, die es aufzulösen oder zumindest aufzulockern gilt. Dies führt dann oft zum Stillstand in der Transformation und geht nicht über z.B. die IT-Abteilung hinaus. Bei solch einer Situation ist es dann oft schwierig sich als Coach selbst zu motivieren den Stillstand und Widerstand nicht zu akzeptieren.
Es gibt aber auch Situationen an den man anerkennen muss, dass ein Coaching nichts bringt, auch wenn man es sich nicht eingestehen will. Manche Menschen sind einfach resistent gegenüber Veränderungen.
Antwort von Sebastian Radics (idealo internet GbmH)
Eine Unterbesetzung in wesentlichen Rollen wie zum Beispiel ScrumMaster, Product Owner, die zu deutlichen Verzögerungen oder komplettem falschen Verständnis bzgl. agiler Vorgehensweise führt. Kein freies Budget für externen Support, der aus meiner Sicht dringend notwendig ist, um einfache, vermeidbare Fehler gleich zu verhindern und die Transformation deutlich voranzubringen. Abteilungsdenken und lokale Optimierungen statt ganzheitliche Ansätze, die das komplexe System betrachten. Es ist toll, wenn die IT sehr agil aufgestellt ist aber wenn eine Story im Rest des Unternehmens 95% der Zeit in Queues verweilt, nutzt die lokale Optimierung der 5% Zeit in der IT nicht mehr so viel. Früher oder später stoßen lokale Initiativen an die Systemgrenzen und müssen angrenzende Systeme ebenfalls verändern/agilisieren. Eine frühzeitige Einbeziehung aller am Prozess Beteiligten ist entscheidend. Fehlendes Management Buy-In. Die klassische Management-Rolle wird durch Management 3.0 Ansätze, Holocrazy und eine deutliche Verschlankung von Rollen im agilen Kontext stark verändert bzw. ganz abgeschafft. Das erzeugt Angst und in Folge Widerstand, der durch eine intensive Begleitung abgesichert werden muss. Verselbstständigung der Selbstorganisation und fehlender Rahmen, der durch Führung gegeben werden muss. Angst vor Entscheidungen, die nicht immer einfach sein können. Manchmal passen Menschen nicht mehr in ein neues Umfeld. Es ist wichtig, das zu sehen und den Beteiligten zu helfen, die für sich beste Umgebung zu finden.
Antwort von Björn Schneider (Hypoport AG)
Agilität scheint heute selbstverständlich, doch agiles Denken ist mehr als ein Buch zu lesen, ein Seminar zu besuchen und das mechanistische wiederholen von agilem Gedankengut: Es ist für mich im Zentrum die Entwicklung der Persönlichkeit und der Kommunikationsstrukturen. Insofern liegen die wahren Herausforderungen bei den Menschen des Systems. Wie überzeuge ich jemanden davon, dass er sich weiterentwickeln möchte? Dies ist ein langwieriger Prozess. Meine persönliche Herausforderung dabei ist es, nicht die Geduld zu verlieren.

KITP.de: Auf welche privaten Dinge und Entscheidungen hat oder hatte Ihre Arbeit als agiler Coach Auswirkungen?

Antwort von Richard Maaßen (EnBW AG)
Hier muss man zwischen zwei Dingen unterscheiden, die sich auf das Verhalten im Privaten auswirken: zum einen der agilen Denkweise und zum anderen der Tätigkeit als Agile Coach.
Bei der agilen Denkweise merke ich wie sie Einzug in die alltäglichsten Dinge findet. Gerade als Akademiker tappt man ja leicht in die Falle, alles so lange zu analysieren bis man die optimale Lösung gefunden hat. Dabei vergisst man leicht, wie viel effektiver es sein kann, einfach mal etwas auszuprobieren. Weg vom perfekt, hin zum gut genug, bzw. Hauptsache erstmal anfangen. Man braucht zum Beispiel weder Laufschuhe noch Pulsgurt zum Laufen gehen. Genauso wie man um sich gesünder zu ernähren, McDonalds auch erstmal durch Frosta ersetzen kann, ohne gleich jeden Tag eine Stunde in der Küche stehen zu müssen. Lieber weniger auf einmal, dass dann aber konsequent – der schwierige Teil ist es nämlich eine Gewohnheit aus etwas zu machen.
Verhaltensänderung durch Transparenz ist ja auch ein großes Thema in der agilen Arbeit. Im Privatleben hat sich das bei mir so ausgewirkt, dass ich mir jetzt Aktivitätstracker und WLAN-Waage zugelegt habe. Das eigentliche Ziel ist für mich zwar Achtsamkeit, aber diese technischen Hilfsmittel sind der erste Schritt.
Antwort von Christian Stiller (Ligatus GmbH)
Fürher hatte meine Arbeit als Projektleiter eher negative Auswirkungen auf mein Privatleben. Gerade zu Projektende kam die Arbeit mit nach Hause. Dies natürlich nicht nur physisch sondern auch psychisch, da der Druck bei klassischen Methoden weit aus negativer ist. Anrufe im Urlaub oder auch spät abends gehörten genauso dazu.
Dieser negative Druck ist seit dem ich mit agilen Methoden arbeite gegen Null gegangen, was sich natürlich sehr positiv auf das Privatleben äußert.
Personal Kanban nutze ich auch schon seit längerem für größere private Projekte wie beispielsweise das Aufräumen des Kellers. Diese schier unmöglich zu bewältigende Aufgabe habe ich z.B. in kleine Schritte aufgebrochen (z.B. markieren der Sachen im Keller mittels Sticker in Verkaufen, wegschmeißen, behalten) und mittels Kanbanboard visualisiert. Dies verursacht unheimlichen Frieden zu hause 🙂
Privat nach agilen Methoden vorzugehen hat dazu auch wiederum Auswirkungen auf das Arbeitsleben, weil man quasi das lebt was man predigt.
Antwort von Sebastian Radics (idealo internet GbmH)
Ich kann viel von meinen praktischen Erfahrungen auch im privaten Umfeld einsetzen. Z.B. nutze ich Personal Kanban, um mich selbst zu organisieren. Erfahrungen aus Retrospektiven zeigen mir, dass ich durch einen gezielten Rückblick komplexe Systeme interpretiert werden können – das hilft mir bei der Diskussion und Abstimmung in der Familie. Der Mensch im Mittelpunkt, wie kann ich ein motivierendes Umfeld aufbauen ist auch ein spannendes Thema im privaten Umfeld. Die Auswahl von Unternehmen, für die ich heute arbeiten möchte ist durch den agilen Kontext bestimmt.
Antwort von Björn Schneider (Hypoport AG)
Weniger Geld in der Tasche zu haben. Würde ich eine klassische Führungskarriere nach dem Peter-Prinzip anstreben, könnte ich mehr verdienen. Ich weiß aber gleichzeitig aus persönlicher Erfahrung, dass ich dabei kaputt gehen würde und das ist nun auch wieder nicht so gut.

KITP.de: Wie wird sich, Ihrer Meinung nach, der Bedarf und der Begriff des agilen Coachings in den nächsten Jahren entwickeln?

Antwort von Richard Maaßen (EnBW AG)
Meiner Meinung nach wird sich der Bedarf nach agilem Coach spürbar erhöhen – und das stetig über viele Jahre hinweg. Allerdings wird der Zusatz „agil“ irgendwann wegfallen, weil agiles Arbeiten zur Selbstverständlichkeit wird. Dann geht es nur noch um Coaching – was dann auch häufiger von echten Profis durchgeführt wird und weniger von Quereinsteigern aus der IT wie mir. Wo man sich früher noch über Wissen differenzieren konnte, ist dieses in großen Teilen jetzt schon immer und überall kostenlos verfügbar. In Zukunft differenzieren sich Unternehmen und Mitarbeiter darüber, wie empathisch sie für die Bedürfnisse ihrer Kunden sind. Und die Voraussetzung dafür ist auch immer eine gehörige Portion Selbsterkenntnis und Selbstannahme. Wir haben spannende Zeiten vor uns!
Antwort von Christian Stiller (Ligatus GbmH)
Der Bedarf nach Coaching wird sich IMHO erhöhen, weil sich die Arbeitswelt meiner Beobachtung nach in einem Aufbruch befindet. Wenn auch nur langsam. Die Leute streben heute oder auch in Zukunft eher eine Selbstverwirklichung als einen Status an, was ihnen klassische Vorgehensmodelle oder Strukturen schwer ermöglichen.
Gerade auch der Begriff Coaching wird mehr und mehr akzeptiert. Vor ein paar Jahren gab es noch sehr wenig Unternehmen, die einen agilen Coach gesucht haben, sondern eher einen Scrum Master oder agilen Projektleiter. Dies sehe ich sehr positiv, weil hier das Verständnis von Agilität mehr zum Ausdruck kommt.
Ich könnte mir vorstellen, das der Begriff sich auch eher zu einem “culture coaching” entwickeln könnte, da Agilität ja oft mit Software in Verbindung gebracht wird und ich denke das der grobe Ansatz dahinter, mit seinen Werten und Prinzipien, mehr und mehr über die Softwareentwicklung hinaus Zuspruch findet.
Antwort von Sebastian Radics (idealo internet GbmH))
Es gibt aktuell schon deutliche Unterschiede im Begriff des agilen Coaches. Spotify nutzt es, um die Rolle auf Scrum/Kanban anzupassen. Früher kannte ich den Begriff eher als Coach, der ScrumMaster unterstützt. Ich denke, viele Unternehmen sind gerade mitten in einer agilen Transformation und stecken oft noch in der IT fest. Für das agile Coaching wird die Herausforderung im ganzheitlichen Ansatz liegen. Dabei wird die Kommunikation mit der Geschäftsführungsebene und dem Management noch wichtiger. Wissen um moderne Management Ansätze, die die komplexe Systemtheorie beinhalten ist wichtig, um ein Bild für das Management aufzeigen zu können. Eine Verbindung mit anderen Disziplinen z.B. der Psychologie in Richtung Gemeinschaftsbildung, Motivation, der Philosophie und anderen Bereichen, die die Arbeit mit Menschen voranbringen ist noch ausbaufähig. ScrumMaster sind in wichtigen Änderungsprozessen und Konfliktsituationen dabei und können sehr von diesem Wissen profitieren. Evtl. kommen in Zukunft einfach mehr ScrumMaster/agile Coaches aus diesen Bereichen und nicht so stark aus der IT.
Antwort von Björn Schneider (Hypoport AG)
Ich denke, dass das was von der Führungskraft übrig bleibt, letztendlich das gleiche ist, wie das, was ein Agile Coach ist, wenn er es schafft, wirklich wirksam im Unternehmen zu sein. Natürlich unter der Rahmenbedingung, dass die gesamte Firma das Agile Mindset aufnimmt und lebt. Diese Annäherungen wird uns aber sicherlich noch viele Jahre begleiten und manchmal bezweifel ich, ob wir, die wir heute darüber diskutieren, das Endergebnis noch miterleben werden. Wie auch immer, ich denke es lohnt sich!

Zusammenfassung

Die vorliegenden Antworten zeigen die Vielschichtigkeit des Themas und welchen Nutzen es für Unternehmen haben kann. Klar wird aber auch, dass der agile Wandel mit großen Anstrengungen verbunden ist, weil damit entsprechende Ansichten und vor allem Einsichten geschaffen werden müssen. Deswegen sind von ihm auch keine Wunder zu erwarten. Je nach Aufbau der jeweiligen Organisation ist es deshalb besonders schwer aus den gewohnten Bahnen auszubrechen. Gelingt dies jedoch,  strahlen Veränderungen in der IT auch auf andere Systeme aus.

In meinen Artikeln zur Agile HR Conference hatte ich mich bereits mit der Definition von Agilität auseinandergesetzt. Agilität ist eine Haltung. Das dem so ist,  wird in dieser Expertenrunde sehr deutlich. Durch mehr Achtsamkeit und einen bewussteren Umgang auch mit privaten Dingen reduziert sich Stress und Konfusion. Zweimal wurde Personal Kanban erwähnt, um mit schwierigen privaten Projekten fertig zu werden. Das werde ich mir mal anschauen und für meine Projekte ausprobieren. Unser Keller könnte es tatsächlich wieder vertragen.

Böse Zungen attestieren dem Trend der Agilität eher ein kurzlebiges Dasein, ähnlich vielleicht Tofu in Form von Brathähnchen. Kühner Vergleich? Bei beidem handelt es sich um Transferprodukte, die unser Denken und Handeln auf eine andere Ebene bringen. So stimme ich mit den Experten überein, dass sich der Begriff der Agilität immer stärker verflüchtigen wird. Das Wissen dazu wird rudimentärer, es umzusetzen wird allerdings die Herausforderung bleiben.

Vielen Dank an diese Expertenrunde für die tiefgehenden Einblicke in das Thema des agilen Coachings! Falls Sie, liebe Leser, noch einen Input haben, welcher hier noch nicht genannt wurde, fühlen Sie sich frei die Kommentar-Funktion zu nutzen. Ich würde mich freuen.

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!