Aussteigen wie Patrick Pichette – 7 Möglichkeiten auch ohne Millionen

Bin dann mal weg!Patrick Pichette, Finanzvorstand der Firma Google hängt sein Börsenbarometer an den Nagel und wird aus dem Konzern aussteigen. Das Motiv, ein Gespräch mit seiner Frau auf dem Kilimandscharo und der Entschluss nach 25 Jahren harter Arbeit, kurz vor der Silberhochzeit nicht länger auf einen neuen Lebensabschnitt warten zu wollen. Viele Menschen beglückwünschen Patrick Pichette zu diesem Entschluss als ein Ja zur Liebe und gegen Machtstreben und Profit.

Liebesbeweis

Sicher werden an einen Finanzvorstand eines solchen Unternehmens gewaltige Erwartungen gestellt. Die Verantwortung dabei einfach abzustreifen ist durchaus eine mutige Entscheidung. Vor allem, wenn der Job eine Art Berufung ist. Für seinen Partner diese Berufung aufzugeben ist selbstlos und ein Beweis für bedingslose Liebe. Das verdient, meiner Meinung nach, Respekt und Anerkennung.

Ausstieg ohne Risiko

Allerdings kann sich Mr. Pichette einen solchen Ausstieg zweifellos leisten. So verdiente er seit 2008 bei Google doch mindestens siebenstellig. Auch der Knick im Lebenslauf dürfte kaum Auswirkungen für ihn haben. Ein Engagement nach seiner Rückkehr ist sicher schnell gefunden. Das gefühlte Risiko einer solchen Entscheidung ist also vergleichsweise gering. Auch die Versorgung im Krankheitsfall in fernen Ländern wird wohl für ihn und seine Frau zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein.

Sind Sie Patrick Pichette?

Viele Menschen haben nun ein gewaltiges Problem. Sie sind nicht Patrick Pichette und arbeiten auch nicht bei Google. Noch weniger sind sie Top-Manager und verdienen Millionenbeträge. Sie wollen aber vielleicht auch nach einigen Jahren den Ausstieg, eine Reise, ein Projekt wagen und wohlmöglich nie wieder zurückkehren.

Jeder Ausstieg ist anders

Vielleicht sind Sie aber auch gar nicht der Typ für eine Weltreise. Vielleicht sind Sie eher der Mensch, der sich den Traum eines eigenen Hauses im Grünen erfüllen möchte. Vielleicht bauen Sie es sogar mit den eigenen Händen. Vielleicht wollen Sie aber auch in Japan zum Sushikoch ausgebildet werden oder in einer Rockband spielen. Ein Ausstieg kann viele Gesichter haben und bedeutet letztendlich nur das zu tun was man sowieso schon immer tun wollte. Für persönliche Entwicklung ist es nie zu spät.

Wenn das Kleingeld fehlt

Doch was wenn wir uns eine Austtieg einfach nicht leisten können? Folgende Möglichkeiten ergeben sich auf den ersten Blick:

  1. Lottoschein – Generationen von Menschen wollten mit ihm bereits reich und wohlhabend werden. Meine Oma hat mal tatsächlich sechs Richtige gehabt, ein Ausstieg war davon ohne Zusatzzahl jedoch nicht zu finanzieren. Zur Erinnerung, die Chance liegt bei ca. 1:130.000.000.
  2. Skimaske – Sie könnten auch den Lottoschein liegen lassen und zur Skimaske samt Wasserpistole greifen. Kapitalverbrechen könnten eine lukrative Einnahmequelle sein und eine möglichst lange Auszeit versprechen. Allerdings eher hinter schwedischen Gardinen.
  3. Verschuldung – Sie könnten sich natürlich auch gegenüber diversen Banken hoffnungslos verschulden und dann fluchtartig das Land verlassen. Ihre Reiseroute wäre aber von Ländern ohne Auslieferungsabkommen geprägt und würde irgendwann auf Option 2 hinauslaufen.

Auf den ersten Blick ist das mit dem Rucksack oder dem Sushi-Messer also schwierig. Zumindest wenn Sie nicht als CFO ein Ohr auf den Schienen des Aktienmarktes haben. Allerdings gibt es auf den zweiten Blick dann doch ein paar interessante Alternativen:

  1. Mein Grundeinkommen – Der Verein „Mein Grundeinkommen“ e.V. i.G. betreibt ein Gewinnspiel mit Crowdfunding Plattform. Ziel ist es dem Gewinner für ein Jahr ein Grundeinkommen von 1.000 EUR pro Monat zu gewährleisten ohne dafür Bedingungen zu stellen. Die Prämie wird über Crowdfunding gesammelt. Jeder kann sich bewerben und die nächste Auslosung findet bereits Ende März statt. Bisher haben acht Menschen ein Grundeinkommen erhalten. 1.000 EUR sind zwar, offensichtlich keine Million aber immerhin geben sie einem einen gewissen Handlungsspielraum. Mein Grundeinkommen / Artikel in der SZ
  2. Pfad.finder – Wenn Sie noch Student sind, dann ist das Pfad.finder Stipendium der Universität Witten/Herdecke vielleicht etwas für Sie. Es ist zwar an Bedingungen geknüpft, diese sind aber auf die persönliche Entwicklung bezogen. Gefördert werden für 12 Monate 8.400 EUR. Eine ehrenamtliche Tätigkeit, sehr gute schulische Leistungen, Praktika und finanzieller Hintergrund spielen bei der Vergabe keine Rolle. Zur Webseite / Zum Artikel in der Zeit
  3. Scholarships – In den USA gibt es solche Stipendien in einer anderen Größenordnung. Zum Beispiel das Amy Lowell Poetry Travelling Scholarship im Wert von ca. 54.000 $ welches dem Begünstigten erlaubt um die Welt zu reisen. Ohne das richtige Alter, einen entsprechenden Pass und entsprechende Leistungen sicherlich schwierig zu bekommen. Zur Webseite / Zum Artikel in der Salt Lake Tribune
  4. Flexible Arbeitszeitmodelle – Eine andere Art von Auszeit kann auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen erreicht werden. Wohlmöglich sind nicht 40 Stunden pro Woche für Sie ideal sondern nur 28 oder 35 Stunden. Auch die freie Wahl der Arbeitszeiten und des Arbeitsplatzes tragen ggf. zum Freiheitsgefühl bei. Dafür bedarf es aber den passenden Arbeitgeber. Interessanter Beitrag auf Karriere.de
  5. Work and Travel – Wen es nach Neuseeland, Kanada oder Australien zieht, der könnte auch während seiner Reise, um die Kosten zu mindern, arbeiten. Dafür gibt es spezielle Agenturen. Wer jetzt denkt, das sei nur etwas für Schüler und Studenten, der irrt. Bestimmte Programme haben eine Altersgrenze von 35 bzw. 40 Jahren. Webseite mit weiteren Informationen
  6. Sabbatical – In einem Sabbatical wird der Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum von der Arbeit, meist unbezahlt, freigestellt. Er kann dann abseits seines Jahresurlaubs anderen Dingen und Projekten nachgehen. Meist wird der Begriff Sabbatical mit Führungskräften ab dem mittleren Management in Verbindung gebracht. Allerdings könnten auch Mitarbeiter von einer solchen Freistellung profitieren. Vorausgesetzt die Zeit ohne Einkommen kann überbrückt werden. Auch hier benötigt es einen entsprechenden Arbeitgeber. Hier gibt es weitere Informationen
  7. Passives Einkommen – Zum Schluß gibt es noch das Märchen vom passiven Einkommen. Es gibt im Internet diverse Webseiten mit Ratschlägen um passives Einkommen aufzubauen. Einkommen, welches sich ohne ständige Anwesenheit generiert und quasi im Schlaf vermehrt. „Schreiben Sie doch ein Buch und verkaufen Sie  es als e-Book über Ihre Webseite!“ oder „Prüfen Sie für sich sinnvolle Geldanlagen!“ gibt es dort als Ratschläge zu lesen. Leider macht man dabei oft die Rechnung ohne das Finanzamt. Darüberhinaus genügen normale Erträge aus Zinsen meist nicht für ein ausschweifendes Leben. Fairerweise wollte ich diese Möglichkeit aber zumindest erwähnt haben.

Diese sieben Möglichkeiten sind mir eingefallen und können auch miteinander kombiniert werden. Zum Beispiel das Grundeinkommen + Reduzierung der Arbeitszeit auf 20 Stunden. Ich bin sicher Sie kennen noch weitere Optionen. Ich würde mich über Ihr Feedback in den Kommentaren sehr freuen!

2 Kommentare
  1. Daniel
    Daniel sagte:

    Für ein Sabbatical muss man kein Millionär sein. In meinem Blog schreibe ich über das Thema. Zum Beispiel interviewe ich zur Zeit Personal Entscheider gr0ßer und kleiner Unternehmer zu dem Thema und möchte für Arbeitnehmer die Chance verbessern ein Sabbatical zu bekommen.

    Antworten
    • Stefan Müller
      Stefan Müller sagte:

      Hallo Herr Jeschke,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ein interessanter Blog mit einer interessanten Ideen! Auch meine Frau und ich spüren ab und zu das Fernweh. Mich haben Sie als Leser sicher! Viel Erfolg weiterhin!

      Mit freundlichen Grüßen

      Stefan Müller

      Antworten

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