Vier Fragen zur Soziokratie mit Kim Nena Duggen und Tim Weilkiens (oose Innovative Informatik eG)

InterviewEin Teilnehmer des Xing New Work Awards 2014 war die oose Innovative Informatik eG mit dem soziokratischen Kreismodell.  Nachfolgend hatte ich die Gelegenheit mit Kim Nena Duggen und Tim Weilkiens, Vorstände der oose Innovative Informatik eG ein kurzes Interview zu führen.

Hier finden Sie den letzten Beitrag zur Soziokratie!

K: Wie sind Sie auf die Soziokratie und das soziokratische Kreismodell gekommen?

TW: Bei oose konnten die Mitarbeiter schon immer über die Strategien des Unternehmens mitbestimmen. Ende 2012 haben wir beschlossen, Führungskräfte durch Führungsarbeit zu ersetzen und haben nach Arbeitsformen für unsere Organisation gesucht, die Mitbestimmung und Eigenverantwortung der Mitarbeiter stärken, da liegen Soziokratie und vor allem Holokratie nahe. Am Beispiel der Holacracy Constitution wurde dann unser internes Führungsmodell abgeleitet.
Seitdem sind wir in Kreisen organisiert, die jeweils einen Zweck haben und diesbezüglich alle Entscheidungen selbstständig treffen können. Die Führungskreise haben keine Budgets oder inhaltliche Zielvorgaben. Transparenz und Kommunikation stellt sicher, dass die Entscheidungen der Kreise, in das Gesamtgefüge oose passen.

K: Wie wirkt sich Soziokratie auf die Arbeitskultur aus?

TW: Es gibt kaum Hierarchie, wir trennen nicht zwischen Denken und Handeln wie in klassischen Organisationen. Die Kollegen, die sich im Thema auskennen, entscheiden selbst und handeln eigenverantwortlich. Wir setzen Mittel zur Konsententscheidungsfindung ein und konsultieren uns gegenseitig.

K: Wo liegen im betrieblichen Alltag die Grenzen des soziokratischen Kreismodells?

TW: Deutsche Rechtsformen fordern bestimmte Organe (Vorstände, Geschäftsführer, etc) und geben Regeln vor. Diese müssen in soziokratisch organisierten Unternehmen geeignet interpretiert und gelebt werden.
Entscheidungen dauern gegebenenfalls länger, als wenn eine einzelne Führungskraft diese treffen würde. Allerdings entscheiden wir besser (da konsultiert und im Team) und vertretbarer (da Einbezug der Betroffenen). Damit haben die Entscheidungen eine größere Nachhaltigkeit und Wirksamkeit. Dringliche Entscheidungen können sofort getroffen werden, wenn ein Mitarbeiter die Dringlichkeit verspürt und sie verantwortet.

K: Was ist der nächste Schritt nach der Soziokratie?

TW: Ich sehe in absehbarer Zeit keinen nächsten Schritt, sondern eher die Aufgabe, dass gewählte Modell weiter zu schärfen und besser im Unternehmen zu leben. Die evolutionäre Weiterentwicklung wird vielleicht in ferner Zukunft zu einem Modell führen, dass man dann nicht mehr Soziokratie nennt. Wichtiger als das konkrete Modell ist uns der Zweck, den es erfüllt.

Herr Weilkiens, vielen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke. Ich hoffe noch mehr Unternehmen in Deutschland werden Ihrem Beispiel folgen. Für mich sind sie die Gewinner des New Work Awards 2014!

Kurzporträt Tim Weilkiens

 Als Vorstand der oose Innovative Informatik eG schaffe ich unseren Mitarbeitern Raum, ihre innovativen Ideen umzusetzen. Ich entleere meinen Kopf, indem ich mein Wissen in Büchern, Artikeln und Vorträgen festhalte. Das schafft mir Freiraum, mich mit neuen Ideen und Konzepten auseinanderzusetzen. Best Practices manifestiere ich in Standards bei der OMG, wo ich aktiv z.B. die SysML, die UML oder die Zertifizierungsprogramme OCEB und OCSMP mitgestalte. (Quelle: http://www.oose.de/m/tim-weilkiens/, 04.02.2015)

Kurzporträt Kim Nena Duggens

Als Vorstand der oose Innovative Informatik eG und Beraterin/Trainerin leitet mich die Überzeugung, dass ganzheitliches Zusammenwirken von Menschen, Business und IT eine hervorragende Grundlage für Höchstleistungen darstellt. Deshalb sorge ich in meinem täglichen Tun gerne dafür, Silodenken zu überwinden und IT als Ermöglicher für erfolgreiches Business zu etablieren. Ganzheitliches Denken und Handeln sind mir wichtig. Daher strebe ich beim Gestalten effizienter Prozesse danach, die ausführenden MitarbeiterInnen und deren Schnittstellenbereiche stets im Blick zu behalten. Meine Kernkompetenzen sehe ich darin, die richtigen Fragen zu stellen, zwischen Parteien zu vermitteln und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden und umzusetzen.

In meiner Freizeit beschäftige mich durch Reisen und Lesen gerne mit fremden Kulturen, um auch privat über den Tellerrand zu schauen. (Quelle: http://www.oose.de/m/kim-nena-duggen/, 23.02.2015)

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