Wurden Sie heute schon genudget?

Cooperation NudgingWurden Sie heute schon von Ihrem Arbeitgeber oder auf der Straße genudget? Nein, es handelt sich dabei nicht um eine Form des Mobbings oder eines besonderen Grußes. Beim Nudging geht es um Verhaltensänderung oder genauer gesagt Changemanagement. Es geht darum Menschen zu einer richtigen, positiven Entscheidung im Sinne sozialer Normen zu bewegen ohne ihnen die Wahlfreiheit zu nehmen oder sie zu bestrafen.

Mein Blog-Kollege Bernd Slaghuis (Coaching Köln) hat mich auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Ich finde Nudges unheimlich spannend. Kannte bisher aber den Namen nicht. Vielen Dank, Bernd!

Menschen werden angestupst um ihnen die richtige Richtung zu geben. Welche Richtung das ist, bestimmen soziale Verhaltensnormen und Ideale sowie anerkannte Tatsachen. Beispielsweise das Salat gesünder ist als Bockwurst. Ich stelle mir dabei tatsächlich einen überdimensionalen Finger vor. Der Finger stupst mich in der Kantine an und bewegt mich, das prominent platzierte vegetarischen Essen zu wählen oder zur Falsche Wasser zu greifen. Das Nichtbefolgen dieses Inputs darf aber keine negativen Konsequenzen haben. Die folgende Beispiele verdeutlichen Nudging. Es handelt sich dabei allerdings um Werbung von Volkswagen. Nudging und Werbung sind allerdings Gegensätze weil Werbung meist für Manipulation zum negativem Verhalten steht. Man kann nicht alles haben.

Beispiel 1: Die Klavier Treppe

Der Aufgang nach oben stellt die Menschen vor die Wahl. Bequem mit der Rolltreppe fahren oder die Stufen benutzen. Die Stufen zu benutzen, ist der gesündere Weg. Bewegung tut dem Körper gut, wissen die meisten. Bequemlichkeit siegt aber meist. Doch im Moment der Wahl dieses Wissen anzuwenden, ist schwer. Deswegen wird die gesündere Wahl mit einer spielerischen Komponente verbunden. Die Stufen werden einfach zu einer Art Klaviatur umgebaut. Das regt wiederum den Spieltrieb und die Neugier der Menschen an und führt zu einer positiven Verhaltensänderung.

Beispiel 2: Der Flaschen-Spielautomat

Ein weiteres Beispiel ist der Flaschen-Spielautomat. Das gewünschte Verhalten ist das Recycling der Flaschen anstatt diese in den Müll zu werfen. Aus Bequemlichkeit werden dennoch viele Falschen in den Hausmüll geworfen. Der richtige Weg wird nun erneut mit einer spielerischen Komponente verbunden. Die Menschen haben die Wahl, entscheiden sich aber für das Recycling weil erneut Spieltrieb und Neugier angesprochen werden.

Beide Beispiele stehen dem Begriff Gamification sehr nah, weil eine Verhaltensänderung mit einem Spiel oder dem Spieltrieb gekoppelt ist. So muss Nudging aber nicht zwangsläufig funktionieren. Zumal ich mir die Frage stelle, ob in beiden Beispielen die Verhaltensänderung von Dauer wäre. Immerhin werden Spiele auch irgendwann langweilig.

Nudging in Unternehmen

Im normalen Leben wird einem Nudging sicher noch öfters begegnen. Doch wie sieht es im Unternehmen aus. Wo findet dort Nudging statt. Ich habe bereits die Kantine erwähnt und die Auslage des vegetarischen Gerichts. Dies ist aber nur ein Aspekt. Kann ich mit Nudges meine gesamte Abteilung verändern und gestalten? Sicher nicht, Nugdes können nie in einem Konzept für sich alleine stehen. Auch deswegen, weil es meist um kleine Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten geht. Außerdem muss die bessere Alternative klar für jeden erkennbar sein. Regen sich die Kollegen immer über leere Kaffeekannen auf? Wieso nicht einfach die Umwelt anpassen und beispielsweise das Befüllen von leeren Kaffeekannen mit einem positiven Aspekt koppeln. Zum Beispiel einem Tisch mit Markierungen in leuchtenden Farben und einem großen Schild „Für die Helden der Arbeit. Wir stehen in eurer Schuld“. Jeder Mitarbeiter welcher die leeren Kannen befüllt wird damit zum Helden und spürt eher die Dankbarkeit der Kollegen für frischen Kaffee. Mit diesen „Spielereien“ kann aber die Kultur eines Unternehmens nur unwesentlich verbessert werden.

Was sind Aspekte einer negativen Kultur im Unternehmen?

  • Wenig Kooperation
  • Schlechter Informationsfluss und mangelnde Transparenz
  • Konkurrenzverhalten
  • Übereinander statt miteinander reden
  • Gerüchteküche

Viele dieser Dinge sind für Nudging einfach zu komplex und lassen sich nicht auf eine bestimmte Anzahl Wahlmöglichkeiten reduzieren. Auch wäre es falsch auf negatives Verhalten nicht zu reagieren. Außerdem ist das „richtige“ Verhalten nicht jedem klar und offensichtlich. Einzig bei dem Punkt Kooperation sehe ich Potenzial. Im Punkto Kooperation ist es eine weitverbreitete Wahrheit, das uns Kooperation weiterbringt und kreative Energien beflügelt. Doch aus Bequemlichkeit oder anderen Motiven bleiben Mitarbeiter separiert oder verkehren nur in ihren angestammten Kreisen. Mit einem Nudge welcher den Gruppenzwang in den Vordergrund holt, kann man das aber ändern.

Coorperation Nudging

Ein Unternehmen bietet immer verschiedenste Möglichkeiten für Kooperation. Ich stelle mir eine Intranetseite vor, welche Beteiligungen an Projekten, Freizeitaktivitäten, Firmenevents (Sommerfest, Weihnachtsfeiern), Mentorings, Einarbeitungen anbietet. Ziel ist es, das jeder Mitarbeiter sich mindestens einmal pro Monat an einem solchen Programmpunkt beteiligt und engagiert. Um einen positiven Anreiz zu schaffen, wird einfach die Beteiligung der anderen Kollegen sichtbar gemacht. Natürlich werden keine Namen genannt um nicht Neid und Missgunst zu fördern. Diese Mitarbeiter werden auf die Gesamtheit der Kollegen gerechnet. In einem wöchentlichen Feedback über das Intranet wird der Anreiz kommuniziert. Dabei wird der Grad der Zielerreichung mit einem positiven Feedback verknüpft.

  • „Bereits jeder dritte Mitarbeiter hat im April ein Projekt durchgeführt oder begleitet. Bravo!“
  • „Bereits jeder zweite Mitarbeiter hat sich im Mai  an einer Einarbeitung beteiligt. Exzellent!“
  • „Jeder Mitarbeiter hat bereits im Juni an der Planung an einer Freizeitaktivität teilgenommen – Ihr seid der Hammer!“

Würde ich sowas lesen, ich verspürte schon den Drang an diesen Aktivitäten irgendwie mitzuwirken. Auch bei geringer Beteiligung sind solche Messages gewinnbringend, wenn die Gesamtheit der Aktivitäten gesehen wird.

  • „Die ersten 10 Mitarbeiter haben sich an einer Aktivität beteiligt! Worauf wartest du?“
  • „5 Earlybirds in diesem Jahr. Streck deine Flügel und flieg mit uns!“
  • „Die ersten Vorschläge für dieses Jahr erreichen uns bereits. Mache hier deinen Vorschlag“

Eine Teilnahme ist nicht verpflichtend und rein freiwillig. Es darf daran keine Zielerreichung geknüpft werden oder gar ein monetärer Bonus. Regelmässige Aktualiserungen mit verschiedenen Meldungen steigern die Aufmerksamkeit. Diese Art des Vergleiches mit anderen Mitarbeitern wird auch Peer-Vergleich genannt. Positiver Nebeneffekt. Der Informationsfluss zwischen den  Mitarbeitern wird durch dadurch fast automatisch gesteigert.

Zusammenfassung

Nudges sind ein gutes Mittel um im Alltag die richtigen Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise, wenn an einem Firmen-Kaffeeautomat zuerst die Keramik Tassen mit den lustigen Sprüchen stehen und nicht die umweltschädlichen Pappbecher-to-go. Doch zur Beeinflussung der Kultur eines Unternehmens, eigenen sie sich nur bedingt. Zu komplex sind teilweise die dahinterstehenden Probleme, zu groß die Wahlmöglichkeiten. Mit Nudges können aber selbst die großen Themen wie Nachhaltigkeit angegangen werden wie der folgende Artikel zeigt.

Zum Artikel in der Zeitschrift Nature

Welche Nudges kennen Sie? Wie würden Sie im Unternehmen Nudging einsetzen? Ich bin gespannt auf Ihr Feedback.

 

2 Kommentare

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  1. […] über ein Laufband zu erreichen wären. Das ginge wiederum in die Richtung der sogenannten Nudges. Diese hatte ich hier bereits vorgestellt. Ich drifte […]

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