Rhein_Panorama

Am 22.04.15 hatte ich das große Vergüngen auf der 4. Agile HR Conference in Köln zu Gast sein zu dürfen. Die Konferenz fand in der Kölner Triangle statt und bot damit einen spektakulären Blick über Köln. Die Organisation der Veranstaltung war perfekt getaktet und ließ für den Besucher keine Wünsche offen.

Bisher war ich mit dem Begriff „Agile“ noch nicht viel in Kontakt gekommen und deswegen nicht sicher, was mich genau erwarten würde. In meinem Kickoff-Beitrag hatte ich bereits eine Art der Definition des Begriffes Agile aufgestellt. Diese kann ich aber nun getrost im Archiv verschwinden lassen.

Im Laufe der Vorträge und Gespräche auf der Konferenz kristallisierten sich für mich vielmehr allgemeine Merkmale für agile Unternehmen heraus. Diese Merkmale wiederholten sich in verschiedener Form nahezu in jedem Vortrag und jeder Open- Space Session und sind mir daher nachhaltig im Gedächtnis geblieben:

  1. Transparenz schaffen – Alle Informationen des Unternehmens müßen über kurz oder lang für jeden frei zugänglich sein. Das kann auch beispielsweise für Gehälter gelten. Transparenz führt zu Vertrauen.
  2. Offenheit – Meetings hinter verschlossenen Türen mit festen Mitarbeiterkreisen müßen der Vergangenheit angehören. Jeder darf sich in jedem Meeting einbringen, wenn er etwas beisteuern kann.
  3. Kundenorientierung durch Mitarbeiterorientierung – Die Mitarbeiter welche tagtäglich Kontakt mit dem Kunden haben, erhalten mehr Macht und werden in die Lage versetzt selbstständig geschäftsrelevante Entscheidungen zu treffen. Wohlgemerkt trifft das Team die Entscheidungen und nicht der einzelne Teamleiter. Es geht sogar soweit, dass sich der TL aus dem operativen Geschäft raushalten muss.
  4. Scrumming, Kanban oder beides – Es ist nicht so relevant ob nun Scrumming, Kanban oder eine Mischung im Unternehmen verwendet wird. Wichtig ist hingegen feste Iterationen für Selbstreflexion und kundenorientierte Bedarfsanalyse zu schaffen sowie den Mitarbeitern Verantwortung zu übergeben.
  5. Bildung von crossfunktionalen Teams – Fest im Organigramm stehende Abteilungen verschmelzen für bestimmte Projekte oder Produkte zu einem Team. Entscheidungswege und Hierarchien werden damit auch in ablauforientierten Organisationen verkürzt und agiler.
  6. Supportorganisation – Die Linienorganisation baut sich zur Supportorganisation um. Nach der Bildung crossfunktionaler Teams unterstützen die nun überflüssigen Organe wie Abteilungsleiter, ja sogar Teamleiter die Wertschöpfungskette im Sinne Administration, Teamentwicklung und Mentoring.
  7. Keine einheitliche Definition – Agilität bedeutet für jeden etwas anderes und ist daher schwer zu definieren. Allerdings steht der Begriff für eine Art der Geisteshaltung, des Mindsets gegenüber Mitmenschen, Kollegen und der Organisation. Agilität bedeutet für mich sich freiwillig für eine Sache ohne äußere Einflüsse bewegen zu wollen. Vielleicht kann es so formuliert werden. Agilität ist das äußere Anzeichen innerer Motivation.
  8. Commitment von oben und unten – Agilität braucht das Commitment des Topmanagements sowie Keimzellen in den untersten Hierarchiestufen.
  9. Jeder überall – Agilität kann in jedem Bereich eines Unternehmens eingesetzt werden, völlig unabhängig vom Aufgabengebiet und ist nicht nur auf IT bezogen.
  10. Komplexität vs. Kompliziert – Komplexität bedeutet nicht kompliziert arbeiten zu müßen. Komplizierte Arbeitsabläufe zu vereinfachen ist wiederum Ausdruck von Agilität.
  11. Der eigene Weg – Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg in die Agilität finden. Genau wie bei ITIL gibt es nur Beispiele für Umsetzungen und Good Practices aber niemals konkrete Handlungsempfehlungen.
  12. Eine Reise beginnt mit … – Der Weg der Agilität kann ein langer und quälender sein. Auf diesem Weg kann es passieren den einen oder anderen Menschen zu verlieren. Damit das nicht passiert sind Stakeholderanalysen und die Schaffung von Einsichten relevante Schritte zur Einführung.
  13. Durchhaltevermögen – Langfristiges Denken und Geduld sind bei Agilität das A und O. Das klingt zunächst paradox, weil der Begriff an sich ja eher nach Schnelligkeit und Beweglichkeit klingt. Um diese Beweglichkeit zu erreichen braucht es allerdings, wie in fast jeder Profession, Zeit und Ausdauer.

Auf der Konferenz beobachtete ich Unternehmen, welche ihre Erfahrungen mit Agilität vorstellen und Firmen, welche sich diese Erfahrungen anhören. Interessant für beide Seiten wäre es doch den Reifegrad ihrer Agilität bestimmen zu können. Warum also nicht die aufgelisteten Merkmale gewichten und daraus eine Scorecard erstellen. Hier plane ich einen eigenen Beitrag zum Thema.

ParticipantAm Ende dieser Erkenntnisse und meines Tages auf der Konferenz war ich nach vielen interessanten Gesprächen und Begegnungen mit der Fachwelt zwar müde aber glücklich. Hatte ich mich zunächst als Aussenseiter gefühlt, wurde mir doch klar, dass der Weg der transformationalen Führung sehr viel auch mit dem Begriff der Agilität zu tun hat. Soviel sogar, dass ich es ebenfalls in einem späteren Artikel aufgreifen werde.

Ich danke dem Team der HR Pioneers für die Einladung, Ausgestaltung dieser gelungen Konferenz und neue wertvolle Erfahrungen. Ich freue mich bereits auf das nächste Event und insgesamt weitere Veranstaltungen von HR Pioneers. Sobald die Kollegen Bilder und Video-Material veröffentlicht haben, werde ich es hier verlinken!

Written by Stefan Müller
Ich beschäftige mich mit den Themen transformationale Führung, intrinsische Motivation und New Work. Ich erforsche komplexe Arbeitsbeziehungen und werfe einen Blick in die Zukunft des Lebens und der Arbeit. Vernetzen Sie sich gerne mit mir unter @kitp_de auf Twitter!